Johann Joachim Becher-Haus

Eine "aktivierende" Gedenkstätte und ein Ort für den "Austausch von Wissen und Rat"

Eine lustige Geschichte mit ernstem Hintergrund: J.J. Becher und der Elefant von der Rehhütte (nahe Speyer)

"Auch unter närrischen Vorschlägen ist) „oft viel Weisheit verborgen." (J.J. Becher, 1682)

J.J. Becher berichtet in seinem Büchlein „Närrische Weißheit und weise Narrheit“ (1682/83, vgl. Abb.) von hundert nützlichen und kuriosen Konzepten und Projekten (auch von eigenen). Es handelt sich dabei oft um „Konzepte, welche dem äußeren Ansehen von Raison waren und gute Intention demonstrierten, dennoch aber in praxi nicht succerierten, und derentwegen...für närrisch...ausgeschrieen worden sind...(obwohl in ihnen) oft viel Weisheit verborgen...und vielleicht auf eine andere Zeit durch andere Leute, und auf eine andere Manier noch gut tun“ (J.J. Becher).


Stichwortartige Beschreibung
(nach J.J. Becher, 1682):

  1. Ein verschuldeter Ölmüller kommt auf die Idee, den Ackerboden „ökonomisch“ mit 10 Pflügen gleichzeitig zu bearbeiten (große Fläche in kurzer Zeit).
  2. Als geeigneter Antrieb („Zugmaschine“) soll ein Elefant (statt mehrerer Ochsen) dienen; den kauft der Ölmüller einem Schausteller ab.
  3. Das Experiment geht schief, weil der Untergrund (morastisches Gelände in der Rheinebene) zu weich ist, weswegen der Elefant einsinkt.
  4. Mit einem teuren Hebegerät muss der Elefant wieder herausgehievt werden.

Die Geschichte gefiel uns und der BASF AG (auf deren Gelände in der Rehhütte zwischen Ludwigshafen und Speyer) die Sache sich wohl abgespielt hat. Deshalb wurde das Objekt (Elefant, Pflugscharen und Hebegerät) von der JJBG (Dipl.-Ing. W. Philippe) nachgebaut und der Öffentlichkeit (2003) am Ort des Geschehens demonstriert (vgl. Abb.). Jetzt kann der „Elefant“ im J.J.Becher-Haus besichtigt werden.

Wenige Tage vor der gemeinsamen Veranstaltung wurde im WDR/NDR-Fernsehen dokumentiert, wie ein Elefant aus einem Zirkus ausbrach und in der Nähe in einem sumpfigen Bachgelände versank, so dass er mit einem Autokran wieder herausgehoben werden musste. Zufall? Klar! Aber Duplizität der Ereignisse schon. Nur: bei J.J. Becher war eine interessante technisch-ökonomische Überlegung herauszulesen, denn wenn die „Rahmenbedingungen“ gestimmt hätten (z.B. anderer Untergrund), dann wäre das Konzept doch gar nicht so schlecht gewesen. Und der Ingenieur May Eyth („Hinter Pflug und Schraubstock“ 1899) hat um 1880 in Ägypten ähnliches versucht – allerdings nicht mehr mit einem Elefanten sondern mit einem Dampfpflug.


Das Närrische birgt oft die Chance seiner Möglichkeit in sich ... das wollte J.J.Becher uns nahe bringen. Recht hat(te) er!